Das Gutshaus


Das Gutshaus

Das Gutshaus wurde um 1780 vermutlich auf älteren Gebäuderesten errichtet. Es gibt die bislang nicht bestätigte Theorie, daß einige der Gebäude auf Resten älterer Dorfgebäude errichtet wurden. Diese Theorie ergibt sich aus der Tatsache, dass das Haus auf teilweise vorhandenen Natusteinfundamenten als Ziegelwerk mit Fachwerkelementen errichtet ist, was sich im Keller noch gut erkennen läßt.

Dem sachlich-wissenschaftlichen und klaren Charakter des Gutsherren folgend wurde das Herrenhaus wie zu der Zeit üblich in einem schlichten neoklassizistischen Stil errichtet. Der preußische Stil war den Notwendigkeiten der Zeit angepasst und ließ ökonomische Notwendigkeiten und wissenschaftliche Disziplin erkennen. Dabei besaß es aber doch einige barocke Schmuckelemente wie z.B. das Ochsenaugenfenster im Giebel. Die Strukturierung der Fassade erfolgte über die Fenster, Fensterbänke, Firste, Gauben und Fassadenausformungen im Putz. Alle Räume hatten Kachelöfen oder Kamine, die meistens aus dem dahinterliegenden Raum oder Flur von Bediensteten mit Torf oder Buchenholz beheizt wurden.

Die ursprüngliche, doppelläufige Freitreppe war ungewohnt steil und führte zu einer großen, doppelflügigen Tür. Die Vorderfront war durch feine Gliederung des Putzes vertikal strukturiert. Die horizontale Ordnung ergab sich durch hervorgehobene Simse und Fensterbretter. Die ursprüngliche Farbe des Hauses soll ein mattgraues Gelb gewesen sein. Die Gebäudeform war nicht eindeutig. Grundform Barock, ebenso Portal und Freitreppe, dagegen erkennt man in der Form der Fenster eher klassizistische Elemente . Um 1850 wurde mit dem Einbau eines großen Wassertanks unter dem Dach das Zeitalter des im Hause fließenden Wassers eingeläutet. Eine Dampfmaschine pumpte regelmäßig Wasser hinauf, welches dann u.a. im neu eingebauten Badezimmer mit metallener Wanne im Untergeschoss genutzt werden konnte. Somit war Gut Neuensund noch vor dem Königshaus im Besitz fließendes Wassers sowie einer Badewanne im Haus.

Nach dem 2. Weltkrieg waren in dem Gutshaus Flüchtlingsfamilien untergebracht. Die Einwohnerzahl schnellte nach 1945 kurzfristig von ca. 150 auf über 400 Bewohner an. Die Notwendigkeit des Wohnungsbaus rettete das Gutshaus, welches schon zum Abriss vorgesehen war. Feudale Symbolik sollte beseitigt werden und wurde dann doch für die Deckung des alltäglichen Wohnungsbedarfs genutzt. Kleine Wohneinheiten aus meistens nur einem Zimmer verhalfen vielen Menschen schnell ein Dach über dem Kopf. Zu Zeiten der DDR, als sich die Flüchtlingssituation entspannte, wurde das Gebäude in größere Wohneinheiten und einen Kindergarten umgebaut. Im Zuge dessen wurden die Gauben aus dem Dach entfernt und die Fassade von allem Zierrat befreit. So war es bis Mitte der 90er Jahre bewohnt, bevor wegen akuter Einsturzgefahr alle Einwohner ausziehen mussten. Vor allem im Bereich der eingebauten Küchen und Bäder machten sich durch erhöhte Feuchtigkeit Schimmel und Schwamm breit.

Heute ist das Gutshaus im Inneren wieder auf seine urspüngliche Raumaufteilung zurückgebaut worden, so daß man die Konzeption des Baues erkennen kann.  Leider ist die Substanz ansonsten sehr angegriffen. Die hochwertigen Baumaterialien – altes Eichenholz sowie Ziegel und Lehm aus eigener Herstellung – haben vor allem unter Wassereinfluß durch die eben genannten Bäder und Küchen sowie undichte Dachbereiche gelitten. Wenn man durch die verfallenen Räume streift erahnt man die Schönheit des Gebäudes in seinen besten Zeiten. Gutsherren werden hier wohl nicht wieder mit ihrer Entourage einziehen. Es existieren wohl einige Ideen zur Nutzung für das Herrenhaus, allerdings kein konkretes Konzept. Und leider fehlen vor allem noch die finanziellen Mittel, überhaupt den ersten Schritt bei der Sanierung zu machen.